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Donnerstag, 07 Mai 2015
Chlorat in Muttermilchersatz
© Ruth Rudolph / pixelio.de

In allen, von 14 im Auftrag von ÖKO-EST getesteten Proben Säuglingsanfangsnahrung wurden Perchlorat- und Chlorat-Rückstände festgestellt. In 10 Fällen war der Chlorat-Wert „erhöht“ (Werte > 0,01 mg/kg), bei einem Bio-Erzeugnis war der Wert „stark erhöht“ (über 0,1 mg/kg). Bei zwei konventionellen Produkten kam es zur Überschreitung des ADI-Werts (akzeptable tägliche Aufnahme) für Chlorat.
Perchlorat-Spuren fanden die Tester in drei Bio-Erzeugnissen. In einem konventionellen Produkt führte der Gehalt an Perchlorat zur Überschreitung des TDI-Wertes von 0,3 µg/ kg Körpergewicht (tolerierbare tägliche Aufnahme). Laut ÖKO-TEST sind die Ursachen der Kontamination vielfältig. Bekannt ist, dass Perchlorat aus Tierfutter in die Milch übergehen kann. Weiter kommen chlorhaltige Reinigungsmittel sowie chlorhaltiges Wasser bei der Herstellung von Milchpulver als Quelle in Betracht.

Geprüft wurde weiterhin auf die Fettschadstoffe 3-MCPD (3-Monochlorpropandiol) und Glycidyl-Fettsäureester. Die TDI-Werte für freies 3-MCPD von 2 µg/kg Körpergewicht waren in 10 Fällen (darunter 6 Bio- und 4 konventionelle Produkte) um das 1,3 bis 5,2-fache überschritten.

Laut Angaben auf den Packungen wurden 8 Erzeugnissen die Probiotika Galaktooligosaccharide (GOS), Fruktooligosaccharide (FOS) und Milchsäurekulturen zugesetzt, die die Darmflora positiv beeinflussen sollen. Ihre Wirkung ist umstritten. Weiterhin wurden 7 Erzeugnisse mit langkettigen, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (LCP bzw. LC-PUFA) angereichert, denen positive Wirkungen auf Gehirn, Nervensystem und Sehen zugeschrieben werden.

Aufgefallen ist den Testern, dass bei einem Erzeugnis an prominenter Stelle auf der Vorderseite mit dem Hinweis „…nach dem Vorbild der Natur“ die Ähnlichkeit zur Muttermilch zu stark betont wird. ÖKO-Test verweist in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme des ALS Nr. 2012/11. Danach sind derartige Hinweise als gleichsinnig zu „maternisiert“, „humanisiert“ und „adaptiert“ i.S. der DiätV zu beurteilen und als unzulässig anzusehen. Auch bei 4 weiteren Produkten wurde auf der Produktrückseite die Ähnlichkeit zur Muttermilch nach Auffassung von ÖKO-TEST zu stark betont.

►ÖKO-TEST Ausgabe Februar/2014 S. 70 ff.

Bild: www.pixelio.de

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