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Montag, 18 Juli 2016

Arzneimittel: Kleinkläranlagen belasten Grundwasser

QM & QS

Arzneimittel: Kleinkläranlagen belasten Grundwasser
© Dieter Schütz / www.pixelio.de

Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge können Antibiotika aus Kleinkläranlagen insbesondere im ländlichen Raum das Grundwasser belasten. Vor zwei Jahren wurden an zwei von bundesweit 48 Messstellen Sulfonamide (Antibiotika) in auffällig hoher Konzentration gemessen ‒ an sieben weiteren Stellen konnten die Sulfonamide in geringer Konzentration nachgewiesen werden. Laut einer aktuellen UBA-Studie zu den Eintragspfaden stammen die wiederholt an zwei Grundwassermessstellen ermittelten sehr hohen Konzentrationen (100 bis 300 ng/Liter) des Sulfonamids Sulfamethoxazol aus der Humanmedizin.

Dieser Stoff wird in Deutschland in der Humanmedizin in deutlich größeren Mengen als in der Tiermedizin verwendet. Das UBA konnte den nachgewiesenen Wirkstoff nahe gelegenen Kleinkläranlagen zuordnen. Dort wurden zudem begleitende Wirkstoffe, Transformationsprodukte und Süßstoffe sowohl in Grundwasser- als auch in Abwasserproben lokal benachbarter Kleinkläranlagen analysiert, die direkt in den Boden emittieren. Laut UBA sind viele Häuser außerhalb von Siedlungen nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen und entsorgen ihre Abwässer über eigene Kleinkläranlagen ‒ über deren Abläufe gelangten die Arzneimittel direkt in das oberflächennahe Grundwasser. Für die aktuelle Studie wurden elf mit Antibiotika belastete Grundwasserstellen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein analysiert. An neun Messstellen wurde regelmäßig der Wirkstoff Sulfadimidin in geringen Konzentrationen ermittelt. Für die Hälfte der Standorte konnte das UBA nachweisen, dass das Sulfonamid aus der Tierhaltung über die Gülle in das Grundwasser gelangt ist. Häufig entdeckten die Forscher auch den Wirkstoff Sulfadiazin in geringen Konzentrationen ‒ dieses Antibiotikum stammt laut UBA sowohl aus der Tierhaltung als auch aus Kleinkläranlagen.

KOMMENTAR:
UBA: „Die Belastung des oberflächennahen Grundwassers durch Kleinkläranlagen sollte genauer untersucht werden ‒ zudem wird ein Grenzwert für Arzneimittel im Grundwasser empfohlen, der sich bei 100 Nanogramm pro Liter befinden sollte.“

QUELLE:
► Umweltbundesamt (UBA) von Juni 2016

Univ.-Prof. Dr. Walther Heeschen
Dipl.-Ing. Agr. Jan Peter Heesche

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