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Montag, 09 Januar 2017

Vegane Ernährung

Gesundheit

Zur Definition und die Position der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Vegane Ernährung

Für die Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“ hat weder der nationale noch der europäische Gesetzgeber rechtsverbindliche Definitionen festgelegt. Angesichts des wachsenden Anteils an Veganern, Vegetariern und Flexitariern in der Bevölkerung und der damit steigenden Marktbedeutung veganer und vegetarischer Erzeugnisse ist für eine Wahlfreiheit der Verbraucher eine rechtsverbindliche Definition wichtig. Verbraucher, die an einer veganen bzw. vegetarischen Ernährung interessiert sind bzw. sich zu diesen Ernährungsformen bekennen, sollten über die Vor- und Nachteile informiert sein.

 

Verbraucherschutzministerkonferenz (VSKM): Definition veganer Lebensmittel

Die Lebensmittelindustrie hat eine Reihe von Erzeugnissen entwickelt, die als vegan, vegetarisch oder unter ähnlichen Bezeichnungen angeboten werden. Unterschiede bei der Auslegung über die Verwendungsbedingungen solcher Produktbezeichnungen können den freien Verkehr der betreffenden Erzeugnisse behindern und dazu führen, dass nicht überall dasselbe hohe Informationsniveau gewährleistet ist. Die von der VSMK für den Begriff „vegan“ vorgestellte Definition ist umfassend und berücksichtigt auch die auf allen Produktionsstufen verwendeten Stoffe einschließlich der Zutaten und Verarbeitungshilfsstoffe.

Hiernach sind „vegan“ Lebensmittel, die keine Erzeugnisse tierischen Ursprungs sind und bei denen auf allen Produktionsund Verarbeitungsstufen keine

  • Zutaten (einschließlich Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen und Enzyme) oder
  • Verarbeitungshilfsstoffe oder
  • Nicht-Lebensmittelzusatzstoffe, die auf dieselbe Weise und zu demselben Zweck wie Verarbeitungshilfsstoffe verwendet

werden,

die tierischen Ursprungs sind, in verarbeiteter oder unverarbeiteter Form zugesetzt oder verwendet worden sind.

Die Position der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Die DGE hat auf der Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Literatur eine Position zur veganen Ernährung erarbeitet. Die Vegane Ernährung als Teil eines westlichen Lebensstils unterscheidet sich nach Auffassung der DGE von einer „traditionell“ pflanzlichen Ernährung, wie sie in Entwicklungsländern praktiziert wird und dort häufig mit einer eingeschränkten Lebensmittelverfügbarkeit und einer niedrigeren Energiezufuhr einhergeht. In westlichen Ländern ist der typische Vegetarier dagegen weiblich, jung, gebildet und vermögend, lebt in Städten und pflegt einen „gesunden Lebensstil“.

In der von der DGE empfohlenen Mischkost mit einem (geringen) Anteil an Fleisch- und Fleischerzeugnissen sowie Fisch tragen die vom Tier stammenden Lebensmittel zur Nährstoffversorgung mit Eiweiß, unentbehrlichen Aminosäuren, langkettigen n3-Fettsäuren, Vitamin D, Riboflavin, Vitamin B12, Calcium, Eisen, Jod, Zink sowie Selen bei. Da diese Lebensmittel bei der veganen Ernährungsform nicht verzehrt werden, kann die Versorgung mit einigen der genannten Nährstoffe schwierig werden.

Die potenziell kritischen Nährstoffe bei veganer Ernährung und die in Betracht kommenden pflanzlichen Nährstofflieferanten sowie gegebenenfalls erforderliche Nahrungsergänzungsmittel wurden von der DGE in einer Tabelle zusammengestellt. Wichtige Inhalte bzw. Aussagen sind nachstehend zusammengestellt, ersetzen jedoch nicht die detaillierte Auseinandersetzung mit dem vollen Text. Wichtige (pflanzliche) Lieferanten von folgenden Nährstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sind z. B.:

  • Protein: Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide (Vollkorn);
  • Langkettige n3-Fettsäuren: Mit Mikroalgenölen angereicherte Lebensmittel;
  • Vitamin D: Speisepilze mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel;
  • Vitamin B12: mit Vitamin B12 angereicherte Lebensmittel bzw. die Einnahme eines Vitamin B12-Präparates;
  • Calcium: Gemüse, calciumreiches Mineralwasser;
  • Eisen: Vollkorngetreide. Gegebenenfalls Einnahme eines Eisenpräparates;
  • Jod: jodiertes Speisesalz;
  • Zink: Vollkorngetreide, Nüsse;
  • Selen: Kohl (z. B. Brokkoli, Weißkohl).

Fazit
Im Ergebnis lassen sich die Aussagen der DGE wie folgt zusammenfassen:

  1. Eine angemessene Zufuhr der Nährstoffe wird durch eine abwechslungsreiche, vielfältige Lebensmittelauswahl sichergestellt. Daher wird eine Ernährung mit allen im Ernährungskreis aufgeführten Lebensmittelgruppen empfohlen („vollwertige Ernährung in Form einer Mischkost“).
  2. Auch eine vegetarische Ernährung mit Einbeziehung von Fisch, Eiern und Milch/Milchprodukten ist für gesunde Personen als Dauerernährung geeignet.
  3. Bei veganer Ernährung ist eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich. Der kritischste Nährstoff ist Vitamin B12. Zu den potenziell kritischen Nährstoffen gehören zudem Eiweiß, n3-Fettsäuren (EPA und DHA) sowie bestimmte Vitamine und Mineralstoffe. Für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche wird eine vegane Ernährung nicht empfohlen.

QUELLEN:
► Ernaehrungs Umschau international 04/2016: www.verbraucherschutzministerkonferenz.de

Food & Hygiene Praxis, Behr's Verlag, Ausgabe 04/2016, S. 19

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