Das Problem mit den Insekten…
Juli 5th, 2010
… und wie man sie los wird.
Der Blick auf die spärlichen Ölreserven im heimischen Tank führt uns den harten Winter noch einmal vor Augen. Wie wir uns alle erinnern, es war saukalt! Die seit Generationen überlieferte Weisheit, dass es nach einem frostig, kaltem Winter im Frühjahr und Sommer weniger Insekten gäbe, weil der Frost dem Ungeziefer den Garaus gemacht hat, gehört wohl zu einem der häufigsten Irrtümer. Vielleicht versteckt sich dahinter auch die Sehnsucht, sich ohne die lästigen und nervigen Fliegen, Wespen und Mücken in Biergärten, Eisdielen oder auch Kaffees gemütlich zu machen und Speisen und Getränke in Ruhe zu genießen. Doch die Realität sieht anders aus: Kaum sitzt man vor der zuckersüßen Limonade, oder vor dem Mittagessen, da sind sie auch schon da, die Plagegeister. Damit ist die Theorie vom ungezieferfreien Sommer nach einem harten Winter widerlegt.
Warum ist das eigentlich so?
Vom Grundsatz her ist es schon richtig, dass Insekten bei Minus-Temperaturen durch Eiskristallbildung im Gewebe abgetötet werden können. Doch nicht allein der Winter und die niedrigen Temperaturen sind ausschlaggebend, sondern vielmehr wie und wo die Tiere überwintern.
Insekten, die sich unterhalb einer Borke zum Überwintern einnisten, genießen beispielsweise eine gute Isolierung. Auch unter einer Schneedecke ist es im Verhältnis zur Umgebung wärmer. Ebenso ausschlaggebend für Vermehrung und Überlebensfähigkeit sind die Wetterbedingungen nach dem Winter, also dann wenn die Insekten „ausschwärmen“. Auch die Anpassung an den Lebensraum der Tiere ist nicht zu unterschätzen. Körpereigene Glyzerine und hohe Fettkonzentrationen in den Körperzellen verhindern, dass diese bei Frost kristallisieren. Die Tiere fallen in eine Art Winterstarre, die sie gegen die Kälte schützt. Wird es wieder wärmer, werden diese Tiere wieder aktiv.
Also müssen wir uns mit unseren Plagegeistern arrangieren?!
Nicht überall müssen Insekten bekämpft werden. Ihren natürlichen Lebensraum sollte man ihnen lassen. Insekten sind zuweilen nützliche Zeitgenossen. Vorbeugung ist deshalb der Bekämpfung – wo immer möglich – vorzuziehen. In Einrichtungen der Lebensmittelverarbeitung haben Fliegen § Co. jedoch absolut nichts zu suchen. Haus- und Stallfliegen beispielsweise, die mit ihren saugenden und leckenden Mundwerkzeugen tierische und menschliche Abfallstoffe aufnehmen und verbreiten, können sehr schnell zum Gesundheitsrisiko werden. Vom Ekel einmal ganz abgesehen.
Den lebensmittelverarbeitenden Bereich gilt es insektenfrei zu halten. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten mit denen man sich die „Plagegeister“ vom Hals halten kann, z. B. Insektengitter (auch Fliegengaze genannt) oder unterschiedliche UV-Lichtfallen. Der Erfolg ist nicht zuletzt abhängig von der Anwendung und vom Verhalten der Mitarbeiter. Schulen Sie deshalb Ihre Mitarbeiter in der fehlerfreien Anwendung dieser Maßnahmen.
Der Behr’s Verlag hält hierzu entsprechende Fachliteratur bereit. Schauen Sie doch auch im Hygiene-Forum vorbei. Dort können Sie Ihre „Problemsituationen“ beschreiben und Lösungsansätze diskutieren.
Zum Schluss zwei Beispiele aus der Praxis, wie man es besser nicht machen sollte:
Die Insekten werden hier von einer UV-Lichtfalle eliminiert, dessen Funktionsweise auf einer Lockwirkung von UV-Leuchtstoffröhren sowie teilweise Pheromonen basiert (abhängig vom Gerät). Eine Klebefolie stellt sicher, dass die Insekten nicht mehr im Bereich der Lebensmittelproduktion umherfliegen. Bei diesem Foto sieht man das gekippte Oberlicht, welches über keine Fliegengaze verfügt. Somit lockt man nicht nur die wenigen Insekten an, die sich „unbefugt Zutritt“ verschafft haben, sondern auch die aus dem Außenbereich durch das offene Fenster. Damit ist das Ziel verfehlt, denn die Kapazität einer solchen UV-Lichtfalle wird dem zu erwartenden Ansturm nicht gerecht werden. Deshalb gilt in jedem Falle: Alle zu öffnenden Fenster im Küchenbereich sind mit Fliegengaze auszustatten!
Bei diesem Beispiel werden die Insekten durch einen elektrischen Schlag getilgt. Auch hier dient UV-
Licht als Lockmittel. Bei dieser Anwendung ist zu beachten, dass die Insekten nicht „zerplatzen“ und anschließend in Einzelteilen durch den Raum fliegen und evtl. Lebensmittel negativ beeinflussen. Die toten Tiere fallen oftmals in ein Auffanggefäß. Bei älteren Systemen kann es passieren, dass evtl. durch Luftzug diese Tiere aufgewirbelt werden und aus der Falle im Raum geschleudert werden. Deshalb sollte man den Standort bewusst wählen und auch die toten Tiere zeitig entsorgen.
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